Freitag, 26. Mai 2017

Im Ghetto gibt es keine Schmetterlinge, Matteo Corradini (RE)

Autor: Matteo Corradini

Erscheinungsdatum: 10. April 2017

Verlag: cbj

Umfang: 288 Seiten

Preis: 8,99€

ISBN: 978-3-570-40355-6

Inhalt:

Theresienstadt 1942: Die Nazis haben ein Lager für Juden errichtet, das zeitweise als Vorzeigelager dient. Doch es ist nur eine Station auf dem Weg in die Vernichtungslager. Inmitten dieser Hoffnungslosigkeit gründen Kinder eine Zeitschrift, um gegen das Grauen anzuschreiben. Sie treffen sich heimlich und verfassen Berichte über das Lager. Aber sie zeichnen auch Bilder, führen Interviews oder schreiben Gedichte.

Matteo Corradini bringt dem Leser auf berührende Weise das Schicksal dieser Kinder nahe.

Meine Meinung:

Im Ghetto gibt es keine Schmetterlinge ist ein Roman, der sehr zu Herzen geht. Wie der Autor in einem kurzen Vorwort erklärt, gab es die Kinder, die in der Geschichte vorkommen, und ihre Zeitschrift wirklich. Dadurch werden die Geschehnisse während dem Lesen viel realer.

Der Schreibstil von Matteo Corradini hat mir im Großen und Ganzen recht gut gefallen, vor allem, der er oftmals stark in die Details eingeht. Jedoch sind die Sätze teilweise sehr lang und schweifen ab, sodass man den Faden verliert und verwirrt wird. Auch werden hin und wieder die Träume des Protagonisten beschrieben, wobei es manchmal schwierig ist, diese von der Realität zu unterscheiden. Stellenweise habe ich erst nach ein paar Seiten bemerkt, dass das Erzählte gar nicht in der wirklichen Welt passiert.
Dieses Mal bin ich wach, aber es fällt mir immer schwerer herauszufinden, wo die Träume enden und meine Wünsche beginnen, was die Wahrheit des Ghettos ist und was die Nazis mich glauben machen wollen. - Ich-Erzähler, S.205
Die Hauptperson, aus dessen Sicht das Buch beschrieben ist, wird die ganze Handlung über nicht beim Namen genannt, was einen als Leser in eine Art Zuschauerrolle schlüpfen lässt, die trotzdem Teil der Geschichte ist. Das hat mir persönlich auch sehr gut gefallen, da die Erlebnisse dadurch berührender vermittelt werden.

Die Handlung ist teilweise ziemlich schrecklich und traurig, aber sie wird aus der Sicht eines Kindes erzählt, weswegen die Erklärungen und Folgerungen für die Geschehnisse ganz anders herübergebracht werden. Es ist als Leser interessant zu erfahren, wie ein Kind mit den Grausamkeiten des Nationalsozialismus umgeht. Dies gilt auch in Hinsicht auf die ganze Gruppe von Jungen, die an der Zeitung schreiben.
Wir können die Wunden nicht heilen, aber wir können von ihnen berichten. Unsere Bleistifte sind wie Skalpelle und wie Nadeln, um die Wunden zu nähen. [...] Unsere Worte bleiben, was aus uns wird, weiß ich nicht, das wissen nur die Nazis, wir sind nicht sie. Wir kennen den Tod nicht, mit Müh und Not kennen wir das Leben, dieses Leben. - Ich-Erzähler, S.71
Auch die geschichtlichen Aspekte, die im Buch eine Rolle spielen, sind sehr interessant. Den Bewohnern von Theresienstadt wurde im Hintergrund Schlimmes angetan, während dort im Vordergrund ein Film gedreht wurde, um der Menschheit zu zeigen, dass die Juden gut behandelt werden. Dieser Kontrast wird sehr gut hervorgebracht.

Fazit:

Insgesamt ist Im Ghetto gibt es keine Schmetterlinge ein wirklich guter Roman, der auf einer wahren Begebenheit basiert. Ich kann euch das Buch mit vier von fünf Sternen empfehlen.



Vielen Dank an den cbj Verlag/ die Verlagsgruppe Randomhouse für das Rezensionsexemplar!