Montag, 23. Mai 2016

Djihad Paradise, Anna Kuschnarowa

Inhalt:
Berlin Alexanderplatz: Julian Engelmann alias Abdel Jabbar Shahid betritt eine Shoppingmall. Er trägt einen Sprengstoffgürtel und ist bereit, all die Ungläubigen auszulöschen. Da ruft jemand seinen Namen. Julian hält inne und erinnert sich. An seine große Liebe Romea und die Zeit vor dem Terrorcamp. Doch Julian ist sich seiner göttlichen Mission sicher. Oder nicht?

Die Personen:
Julian Engelmann/ Abdel Jabbar Shahid lebt mit seinem Vater Tom alleine in einer Wohnung, da sie von Julians Mutter verlassen wurden. Tom trinkt und verdiente kein Geld, weshalb Julian mit Drogen dealt, um die Rechnungen bezahlen zu können. Er rappt in einer Band, die aber nicht allzu viel Erfolg hat. Eines Tages fliegt er von der Schule, kommt aber sofort in eine neue. In seiner neuen Schulklasse sitzt Romea, in die er sich verliebt, auch wenn er sich anfangs ihr gegenüber unangebracht verhält. Sie kommen zusammen und hauen irgendwann auch gemeinsam ab, wobei sie aber bald von der Polizei gefunden werden. Romea wir zurück nach Hause gebracht und Julian wird wegen den Drogen, die er bei sich hatte, verhaftet. Im Gefängnis lernt er dann Murat kennen, einen Muslim, und auch wenn sie sich zum Beginn nicht mögen, werden sie bald Freunde. Durch Murats Gebete findet auch Julian zum Islam und konvertiert.
Doch auf einmal kam SIE in die Klasse gestöckelt und dann war ich es, der starrte. Mein Gott, war die schön. …Ehe sie hinter ihren Tisch glitt, warf sie mir einen kurzen, verwunderten Blick zu, der mir das Blut in den Adern gefrieren ließ, vielleicht brachte er es aber auch zum Kochen. Wie auch immer, jedenfalls blieb mir fast das Herz stehen. –Julian, S.26 
Romea Achenbach/ Shania kommt aus guten Familienverhältnissen und hat eine Schwester. Ihre Eltern sind meistens in der Arbeit, während die beiden Mädchen zahlreichen Aktivitäten wie Kickboxen oder Chinesisch nachgehen. Romea ist nicht sehr glücklich mit ihrem Leben, was sich aber durch die Beziehung mit Julian schlagartig ändert. Ihre Eltern wollen nicht, dass Romea mit Julian zusammen ist, da er aus solch schlechten Verhältnissen stammt, können Romea aber nicht von ihm abbringen. Für sie ist die Zeit, während Julian im Gefängnis ist, sehr hart, aber danach finden die beiden sofort wieder zueinander. Julian schafft es, Romea dazu zu bringen, mit ihm zu beten, was ihr zwar erst wiederstrebt, dann aber gut gefällt. Sie konvertiert zusammen mit Julian.
Der Neue. Julian Engelmann. Was glaubte der eigentlich, wer er war? …Mr.So-Cool. Lungerte da breitbeinig mit seinem dämlichen Rap-Hat in der letzten Reihe rum und glaubte, er müsste nur mit den Fingern schnipsen und alle Weiber kämen dankbar für dieses bisschen Aufmerksamkeit angekrochen. –Romea, S.34
Meine Meinung:

Djihad Paradise ist ein sehr ausdrucksstarkes Buch. Es mir gezeigt, wie ein Mensch zum Selbstmordattentäter werden kann. Die Autorin hat die Gedankengänge und Gefühle der Protagonisten verständlich und nachvollziehbar formuliert. Durch ihre Erklärungen und die Ereignisse des Buches habe ich viel zum Thema Islam und radikale Islamisten dazugelernt.
Der Schreibstil ist in Jugendsprache verfasst. Es kommen oft Stellen vor, an denen viel geflucht wird. Teilweise hat es gepasst, aber ich empfand die Flüche und Formulierungen meist als übertrieben. Das Buch ist abwechselnd aus Julians und Romeas Sicht geschrieben, weshalb man den Handlungsgang gut nachvollziehen kann.

Am Anfang des Buches ist die Liebesgeschichte zwischen Romea und Julian noch normal und wie man sie in mehreren Büchern in ähnlicher Auffassung finden kann. Doch ab dem Gefängnisaufenthalt ist alles anders. Ich stand beim Lesen die ganze Zeit unter Spannung, weil ich nie wusste, was als nächstes kommt. Im Laufe des Buches werden viele falsche Entscheidungen getroffen. Aber Julian und Romea treffen diese Entscheidungen, weil sie Hoffnung auf ein besseres Leben haben. Sie wollen beide nicht mehr so weiterleben, wie sie es jetzt tun, weshalb sie leicht zu beeinflussen sind und sich recht bald der neuen Religion anschließen. Sie werden, besonders Julian, einer Gehirnwäsche unterzogen, ohne dass sie es merken oder es immer absichtlich so kommt. Sie sehen nur die Vorteile: Ein neues, besseres Leben, eine zweite Familie, eine gemeinsame Zukunft. Dabei verschließen sie die Augen vor ihren Fehlern und den Nachteilen
.
Was mir sehr zu Nachdenken gegeben hat war die Namenswahl der Protagonisten. Romea und Julian sind eine Anspielung auf Romeo und Julia, was mich als Leser mit einer großen Erwartungshaltung gefüllt hat. Ich bin davon ausgegangen, dass es zwischen den beiden Beziehungen viele Parallelen geben wird, wie es dann auch war. Ich finde die Namenswahl gut durchdacht und auf die Geschichte passend!

Die Geschichte hat mich sehr aufgewühlt und das Ende hat mich emotional vollkommen durcheinander gebracht. Die Autorin hat es geschafft, mich trotz aller Erwartungen im Laufe der Geschichte immer wieder zu überraschen. Das Buch hat mich stark zum Nachdenken gebracht. Es gibt vor jedem Kapitel Zitate, die mich auch immer wieder mit Vorahnungen erfüllt haben und dadurch mein Grübeln noch gesteigert haben.

Fazit:
Djihad Paradise ist eine sehr aussagekräftige Geschichte, die den Leser sehr zum Nachdenken anregt. Das Buch befasst sich mit einer aktuellen Problemsituation dieser Welt und ist deshalb empfehlenswert für alle, die sich gerne mit solchen Themen auseinandersetzen. Viel Spaß beim Lesen!

Autorin: Anna Kuschnarowa

Erscheinungsdatum: 17.08.2015

Verlag: Beltz & Gelberg

Umfang: 416 Seiten

Preis: 14,95 €

ISBN: 978-3-407-81155-4